TeT Albanien

Von Korça sollte es weiter in Richtung Elbasan gehen. Da der TeT nicht zwingend Off-Road sein muss, sondern auch asphaltierte Routen zu bieten hat, welche sich bei schöner Szenerie befahren lassen, wollten wir die Strecke abwechslungsreich gestalten. Die vorabendliche Recherche hatte ergeben, dass der geplante Abschnitt des TeT aus einem überschaubarem unbefestigten Teil besteht, der in ungefähr 2h geschafft sein sollte. In Kombination mit den albanischen Geschwindigkeitsregularien, sollten wir es anschließend entspannt bis nach Elbasan schaffen…

Los ging es also und zu Beginn durch Orte, in denen eher die Besserverdienenden residieren. Nachdem wir feste Schotterwege erreichten, die uns fahrerisch liegen und Spaß machen, ging es kurze Zeit später in schrofferes Gelände. Gestartet auf ca. 900 Meter über Meeresspiegel, hatten wir einen ca. 1.500 Meter hohen Berg vor uns. Obwohl wir das zunehmend anspruchsvolle Streckenprofil wahrgenommen haben, geht es Berg auf in der Regel immer leichter und wir dachten uns „na den Abschnitt wollen wir aber nicht wieder runter“. Also sind wir immer weiter gefahren und haben die Flucht nach vorne ergriffen.

Es kamen zum Teil wirklich steile Passagen, mit geröllartigem Untergrund und schlammigen Pfützen, die wir passieren mussten. Mehrfach mussten wir uns gegenseitig Hilfestellung geben, damit wir die schwierige Passagen irgendwie schaffen. Die Zeit Schritt voran und ohne es mitzubekommen, war es auf einmal 14 Uhr. Wir waren noch nicht auf dem Weg herunter, hatten noch einiges vor uns und mussten die Motorräder bereits ein paar mal wieder aufheben.

Obwohl die Landschaft wirklich beeindruckend war, es immer wieder gut befahrbare Abschnitte gab und wir die Strecke bis auf ein paar Kühe für uns alleine hatten, kamen wir an einen Punkt, an dem wir feststellen mussten: Wir haben den Moment verpasst umzudrehen. Dass an dem Tag auf dem Pass nur 12 Grad waren haben wir nicht bemerkt. Wir standen permanent unter Strom und haben die Strecke irgendwann nur noch verflucht. Zu allem Unglück haben wir an diesem Tag beide nicht genug Wasser dabei gehabt – ist uns vorher noch nie passiert. Aber klar, wenn es läuft, dann läuft es.

Während die Konzentration nachließ, musste die Abfahrt teilweise auf einspurigen Wegen durch Wald und Gestrüpp erfolgen. Wir konnten es nicht mehr vermeiden, dass die Motorräder noch ein paar Mal umfielen – neben den körperlichen Ausfallerscheinungen hat irgendwann auch der Kopf blockiert. Wir sehnten uns einfach nur noch nach Asphalt, um in eine Unterkunft zu kommen.

Durchgeschwitzt haben wir es dann irgendwann auf Asphalt geschafft und sind direkt zum nächsten Supermarkt gefahren, um dem Körper Zucker und Wasser zuzuführen. Dabei haben wir erstmalig bemerkt, dass es nicht sonderlich warm war – ich für meinen Teil habe gefroren. Von dort ging es dann zurück in die Unterkunft vom Vorabend. Wir haben an dem Tag für einen 70km Rundkurs mit ca. 20km Off-Road 7,5h gebraucht. Das wir mit dem Thema TeT erstmal durch sind, brauchen wir sicherlich nicht extra erwähnen.

Wir sind bestimmt keine total unerfahrenen Motorradfahrer, keine total unerfahrenen Reisenden und können unsere Grenzen und etwaige Risiken ganz gut einschätzen. An diesem Tag kam aber irgendwie alles zusammen. Anstatt morgens noch einmal Wasser aufzufüllen, dachten wir in 2-3 entspannten Stunden im nächsten Ort zu sein und dass das Wasser vom Vortag bis dahin reicht. Anstatt umzukehren und sich das eigene fahrerische Unvermögen mit den schweren Maschinen in diesem Gelände einzugestehen, haben wir die Flucht nach vorne ergriffen und gehofft, dass es wird besser wird. Wir haben daraus gelernt…