Einfach mal schlecht Autofahren

Einfach mal schlecht Autofahren

Die Poolpause hat dieses mal funktioniert. Wir hatten ein Hotel bei Thessaloniki gefunden und das Wetter hat gepasst. Das Hotel diente vornehmlich als Zwischenhalt für Busreisen und so durften wir an einem Abend einer garstigen Reisebegleiterin lauschen, die das Foyer in Beschlag nahm um der Reisegruppe die Funktion von Pass/Ausweis und Kreditkarte zu erklärten. Es gibt offenbar für alles einen Markt.

Weiter ging es in Richtung Nordmazedonien. Der Grenzübertritt dauerte rund eine Stunde und dabei gab es noch nicht einmal einen Stempel in den Pass. Unverschämt 🙁 Auf der anderen Seite angekommen ging es zunächst einmal Tanken (rund ein Euro/Liter preiswerter als in Griechenland) und dann bogen wir auf den TET ab. Nach recht kurzer Distanz stellten wir fest, dass die Strecke durch Regenfälle stark ausgewaschen und an den Steigungen von tiefen Rinnen durchzogen war. Wir entschieden uns also umzukehren. Auf dem Rückweg gab es dann ein déjà-vu: vor einigen Jahren gelang es uns, auf unbefestigter Strecke in Kroatien, beide Motorräder auf die Seite zu legen. Dort fiel erst Nils und beim Versuch anzuhalten, fiel danach ich. Dieses Mal war es umgekehrt. Ich fuhr in eine Furche und legte mich auf die Seite, dann fiel Nils‘ Motorrad beim Abstellen auf die Seite. Zum Glück ist nichts gravierendes passiert und nachdem mein Lachanfall vergangen war richteten wir die Fahrzeuge wieder auf und fuhren weiter.

Als Ziel wählten wir für den Tag den Ohridsee. 250km. Nach unserer Interpretation der Karte streckenweise über Autobahn. Sollte zügig erreichbar sein. Wir sind also zunächst über Land gefahren und anfangs war dank wenig Verkehr auch alles in Ordnung. Später wurde es etwas voller und wir mussten feststellen, dass man in Nordmazedonien nicht so schnell vorankommt, wie wir es gewohnt sind. Innerorts sind 40km/h und die Leute halten sich daran. Schöne Sache. Außerorts stehen jedoch häufig völlig fragwürdige Geschwindigkeitsbegrenzungen (z.B. 50km/h auf einer schnurgeraden Landstraße ohne Einmündungen) und auch hier halten sich die Leute dran. Üblicherweise scheint es eine stille Übereinkunft in Ländern mit übervorsichtigen Straßenverkehrsbehörden zu geben, dass unsinnige Geschwindigkeitsbeschränkungen großzügig ignoriert werden können. Hier nicht. Hinzu kam, dass die Leute generell recht schlecht ihre Fahrzeuge durch die Gegend bewegten. Schritttempo im Kreisverkehr. Unkenntnis von Vorfahrtsregelungen. Überholen trotz Gegenverkehr. Kurvenschneiden. Die vermeintlichen Autobahnen (wir dachten Straßen die mit A+Zahl benannt sind wären hier solche) entpuppten sich größtenteils als Landstraßen bzw. Baustellenumleitungen auf denen dann über etliche Kilometer mit 30-50 geschlichen wurde. Wir kamen also erst abends in Ohrid an. Bezogen die Unterkunft, wuschen Wäsche und wurden auf dem Weg zum Essen noch von der Polizei gemaßregelt. Das setzte dem Ganzen dann die Krone auf. Kaum ein Rad fährt mit Beleuchtung. Keiner kennt oder befolgt irgendwelche Verkehrsregeln. Aber wir werden ermahnt, dass wir die Straße nicht an einem Fußgängerüberweg queren. Um zu prüfen, ob wir es auch verstanden haben, verfolgte uns die Polizei auch noch.

Die Pizza war jedenfalls sehr lecker.

Am nächsten Tag ging es auf dem Weg nach Albanien noch in den Galičica-Nationalpark. Der Weg sollte eigentlich befestigt sein, entpuppte sich dann aber als ziemlich garstige Steinpiste. Wir kämpften uns wieder runter an den See, genossen traumhafte Ausblicke bei bestem Wetter und fuhren ein Stück südlicher über befestigte Straße über den Berg zum Prespasee. Von dort rüber nach Albanien (entspanntester Grenzübertritt bislang, da der Grenzer nebenbei telefoniert hat) und die weiterhin sehr beeindruckende Landschaft genießend nach Korçë gereist. Dank eines Navigationsfehlers fuhren wir zum Schluss in eine Sackgasse (das sah man von unten nicht), die stetig steiler wurde. Mit unseren kolumbianischen AKTs wären wir nicht oben angekommen, das etwas bessere Leistungsgewicht der BMWs brachte uns zwar bis nach oben, schön war es trotzdem nicht und wir mussten in der Steigung noch drehen. Ein Traum. Die Unterkunft war dafür top, das Essen hier ist weiterhin fantastisch und es gibt köstlichen Schnaps (mehr dazu zum Abschluss).