per Zug in die Tropen

Die Zugfahrt hat sich halbwegs gelohnt. Mein Bruder wollte nicht fliegen, um mehr vom Land zu sehen. Blöd nur, dass es gegen 18:30 Uhr dunkel wird und man draußen nichts mehr sieht 🫢 Auch hier war der Service sehr aufmerksam. Uns wurde mehrmals frischer Tee angeboten, es gab eine Auswahl an Snacks und später auch noch ein vollwertiges Abendessen. Als erste Speise in Indien war diese auch wirklich ziemlich scharf gewesen. In den Restaurants kann man noch so oft beteuern, dass man es aushält. Am Ende bekommt man eher die mildere Variante.

Die Sitze ließen sich sogar um 90° drehen, sodass sich die Aussicht besser genießen ließ (solange es hell war). Draußen war es aber eher unspektakulär. Bis auf eine riesige Statue einer indischen Gottheit zog die Landschaft flach an einem vorüber. Spät abends kamen wir in Bhopal an und wurden von den Eltern meiner Schwägerin empfangen.

Die Innenstadt Bhopals entspricht eher dem indischen Stereotyp. Enge Gassen, unzählige Menschen, freilaufende Kühe und ein Händler neben dem anderen. Ich flüchtete dann für zwei Tage aufs Land, um mir eine Stupa anzuschauen. Abends gab es dort eine Lasershow, die technisch super gemacht war.

Die Rückfahrt nach Bhopal per Uber war eine Nahtoderfahrung. Los ging es mit der Abholung: er fuhr am Hotel vorbei und hielt nicht an. Nachdem ich dann schon einige Zeit vor dem Hotel wartete kam der Manager raus und bot seine Hilfe an. Also angerufen und der Fahrer kam zurück. Er sprach kein Englisch, ich kein Hindi. Er versuchte die ganze Fahrt über den alten deutschen Trick und sprach laut und langsam auf Hindi mit mir. Mein Sprachverständnis war davon leider unbeeindruckt. Die Hupe wurde nahezu konstant betätigt (verschleißt solch ein Bauteil eigentlich?). Überholen an den ungünstigsten Stellen auch bei Gegenverkehr (die fahren schon zur Seite) und keinerlei vorausschauendes Fahren. Bei Bodenwellen wurde mitunter gar nicht oder nur wenige Meter vorher gebremst. Ich möchte nicht wissen, wieviele Kühe er schon auf dem Gewissen hat. Dazu benutzte er sein Navi nicht und hielt 4-5 mal an, um nach dem Weg zu fragen. Natürlich verfuhren wir uns trotzdem und brauchten statt 1,5 Stunden fast 2,5. Als Sahnehäubchen wollte er mir zum Schluss noch erklären, dass ich die Fahrt in bar bei ihm bezahlen muss, obwohl das über die App schon erledigt war. Einziger Pluspunkt: bei einem der Navi-Stops gab es leckeren Chai.

Leider fing ich mir eine leichte Ganzkörpererkrankung ein, die recht lästig ist. Glücklicherweise ist der Zugang zu Antibiotika hier leicht und preiswert, sodass ich hoffentlich zügig wieder gesund bin.

In den nächsten Tagen geht es per Inlandsflug nach Kochi an die Südküste.